Es ist soweit

Endlich. Das lange warten hatte ein Ende.
Heute hat meine Familie das Büchlein bekommen. Aber von Anfang:

Weihnachten ist eigentlich schon vorbei. Und doch war heute der große Tag.
Zu meiner Familie zähle ich auch gute Freunde, so wie meinen Patenonkel und die Patentante meiner Schwester. Alle diese Menschen finden sich immer am Tag nach den Feiertagen bei uns ein und es gibt noch einmal eine große Bescherung. Das machen wir schon so, seit ich denken kann. Wir alle haben Familie und für diese sind die Feiertage reserviert. Aber der 3. Weihnachtsfeiertag, der gehört uns. Und darum war es heute also soweit.
Ich habe den wichtigsten Menschen meine kleine Sammlung an Schriftstücken geschenkt und ihnen damit eröffnet, was ich nach meinem Studium geplant habe.

Ich war mega aufgeregt. Was würden sie sagen? Würden sie überhaupt verstehen, was ich ihnen damit eröffnen möchte? Feiern wir dann eine große Party, oder werfen sie mich aus dem Haus?

Aber lange Rede, kurzer Sinn. Wir saßen alle gemeinsam im Wohnzimmer. Den Weihnachtsbaum umgab ein warmer Schimmer und draußen wurde es bereits langsam dunkel. Die ersten waren schon da…
…und dann wollten sie bescheren?!

Aber es waren doch noch gar nicht alle da. Ich hatte alles so gut geplant. Sie sollten alle gemeinsam die Geschenke öffnen, damit sich niemand vorher verplappert und dem anderen etwas verrät. Also ließ ich erst einmal die anderen ihre Geschenke verteilen, während ich mit kalten Händen und rasendem Puls da saß und freundlich (wenn auch wahrscheinlich leicht gequält) lächelte.

Nach einer gefühlten Ewigkeit klingelte es endlich. Aber mein Puls beruhigte sich keineswegs und auch meine Hände wurden nicht wärmer… denn jetzt waren ja alle da. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Keine Möglichkeit, es mir noch einmal anders zu überlegen.
Und glaubt mir, ich habe darüber nachgedacht…

Einen kurzen Kampf hatte ich noch, sie alle beieinander zu halten, wollten die ersten sich doch mit Kaffee und Kuchen/Plätzchen ins Zimmer nebenan verziehen.
Aber das ließ ich nicht zu.

Eine kurze peinliche Ansprache mit zittriger Stimme und noch zittrigeren Händen, in denen ich die Geschenke hielt – dann wurde beschert.

Die Verwirrung war groß und stand allen ins Gesicht geschrieben. Niemand wusste, was das jetzt werden sollte. (Nur meine Schwester, die hatte mich schon mitte des Jahres enttarnt und lächelte nur still vor sich hin)
Die ersten hatten das Geschenkpapier entfernt und sahen unschlüssig auf das Cover. Drehten das Buch. Wer war diese Jana Tomy?
Unschlüssig wurde darin herumgeblättert… bis man mein Bild fand.
Und ich wartete auf Reaktionen, Fragen, irgendetwas. Doch all das blieb aus. Ein kurzes „Schau mal, deine Tochter ist Autorin“ Und hier und da ein paar gemurmelte Worte, oder ein durch das Buch blättern, war alles, was ich bekam.

So viel zur großen Enthüllung. Ein wenig enttäuscht war ich schon. Aber der große Aufschrei, der die brotlose Kunst schlecht macht, blieb aus. Ebenso wie die große Freude. Aber was hatte ich denn eigentlich erwartet?

Wahrscheinlich müssen sie das alles erst einmal verdauen. Das müssen wir wohl alle. Mal sehen was noch so passiert.

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