Extra: Autorenrunde – Leipziger Buchmesse

Damit der Messe-Artikel nicht noch länger wird (und damit man nicht den kompletten Artikel danach absuchen muss) habe ich beschlossen, den Artikel über die Autorenrunde separat zu halten.

Für alle, die noch nicht wirklich wissen, was die Autorenrunde eigentlich ist – bitte hier entlang.

Samstag, kurz vor 10 in Leipzig. Zum Glück habe ich es noch rechtzeitig geschafft, denn die S-Bahn war einfach nur überfüllt.
Zunächst war ich ein wenig überfordert. Mein Ticket wurde geprüft, ich bekomme eine Tasche der Buchmesse in die Hand gedrückt und darf mir so ein Umhänge-Dings nehmen, das als Namensschild dient. Und dann stand ich erst einmal eine Weile staunend herum. Runde Tische stehen überall im Raum, viele der Teilnehmer sitzen schon, andere stehen noch und unterhalten sich.
Zum Glück sind einige bekannte Gesichter schon da und ich fühle mich nicht mehr ganz so überfordert.

Nun fällt die erste große Entscheidung des Tages: Welcher Tisch wird der erste sein?
Ich entscheide mich für Immersives Storytelling.
Schnell stellt sich heraus, dass ich nicht die Einzige am Tisch bin, die mit diesem Wort noch nicht viel zu tun hatte.

Doch bevor es richtig los geht, tritt Oliver Zille, der Buchmesse-Direktor,
ans Mikrofon. Er begrüßt die Teilnehmer und kündigt mit großer Vorfreude Sebastian Fitzek an, der in diesem Jahr das Vorwort für die Autorenrunde hielt.
Fitzek berichtete davon, wie er es schaffte, Autor zu werden. Von dem kleinen bisschen „Glück“, das jeder braucht, aber nicht jeder findet und von der Freude, für andere Autoren, die es geschafft haben zu veröffentlichen. Ich hätte ihm wohl auch noch Stunden lang zugehört, aber wir waren bereits über der Zeit und die Tischrunden hatten noch immer nicht begonnen. Mit 15 Minuten Verspätung ging es dann endlich los.

Runde 1: Tisch 18 – Immersives Storytelling
Immersion, oder auch Eintauchen, lautete das Thema. Dennoch ging es hier nicht einfach darum, in seine eigene Welt einzutauchen und sie lebendiger zu gestalten. Vielmehr bezieht sich das Immersive auf die Verwischung zwischen Realität und Fiktion.
Dies kann vor allem dazu genutzt werden, um den Leser weiter in die Welt eintauchen zu lassen. Ob als Werbung, oder während des Lesens selbst, spielt dabei keine Rolle. Bekannt ist die Immersion vor allem bei Computer-Spielen. Auch VR gehört dazu.
Thomas Zorbach gab uns am Ende noch 7 Punkte mit auf den Weg

1. die Verwischung von Realität und Fiktion
2. Transmedialität
3. Ego-Perspektive
4. Interaktiv / Partizipativ
5. Fragmentarisch
6. Non-Linearität
7. variable Eintauchtiefen

Leider wurden wir dann zu früh unterbrochen, um die verlorene Zeit wieder einzuholen. Dennoch fand ich die erste Runde sehr interessant.

Runde 2: Tisch 2 – Podcast als Marketing für Autoren
Tatsächlich hatte ich nicht vorgehabt, diesen Tisch zu besuchen. Das eigentliche Ziel war der Vortrag über „Strategie im Buchmarketing“, dieser war jedoch viel zu voll und die Referentin so leise, dass ich nichts verstehen konnte. Ich machte mich also auf die Suche nach einem neuen Tisch. Auch „Schreiben ohne Schreibtisch“ hätte mich interessiert, doch eine Autoren-Kollegin war bereits in der ersten Runde dort gewesen und hatte mir in kurzen Sätzen erklärt, worum es dort ging.
Also entschloss ich mich kurzerhand für einen Tisch, an dem nur sehr wenige Leute saßen. Dort ging es um Podcasts.
Der Referent Christian Bollert erklärte hier, wie ein Podcast funktioniert und für wen er interessant sein könnte, denn gerade die Kürze und das Fehlen einer Videospur machen einen Podcast für beispielsweise fahrende oder aufräumende Menschen interessant, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Es sind die Alltags-Dinge, die man sich mit dem Hören eines Podcasts versüßt.
Aus diesem Grund sind die gängigsten Formate 20 – 40, oder 30 – 60 Minuten lang.
Dabei ist es von Vorteil, den Podcast auf einer eigenen Seite hochzuladen. Dienste wie iTunes greifen dann darauf zu und ermöglichen das Streamen.
Besonders beliebt seien momentan wohl serielle Podcasts, in denen es am Ende einen Cliffhanger gibt.

 

Rund 3: Tisch 16 – Buchtrailer und andere praktische Marketinginstrumente
Auch hier wollte ich zunächst einen anderen Vortrag besuchen. Leider hatte ich mir unter dem Thema „Figuren, die von Herzen kommen“ etwas anderes vorgestellt. Letztlich war es mir an diesem Tisch doch etwas zu esoterisch und ich zog weiter.
Buchtrailer waren mir bis zu diesem Zeitpunkt zwar wohl bekannt, jedoch hatte ich mich noch nicht großartig damit auseinandergesetzt.
Hier erfuhr ich, dass es zunächst eine Entscheidung zu treffen galt: Soll der Trailer PR für den Autor an sich sein, oder für das Produkt? Welchen Fokus gibt es?
Ist diese Frage geklärt, wartet auch schon die nächste: Soll der Trailer emotional oder informativ werden?
Gleichzeitig wurde natürlich auch über die gängigen Probleme gesprochen, Bildrechte, Musikrechte, etc.
Später kamen wir noch auf die Autorenseite von Amazon zu sprechen. Diese wurde als wichtiges Werkzeug betrachtet, da hier alle Bücher verlinkt sind und es die Möglichkeit gibt, Buchtrailer einzustellen. Ich selbst hatte mich damit noch nicht befasst, da ich noch nichts veröffentlicht habe.

Runde 4: Tisch 4 – Wozu Literaturagenten?
Hatten ein Kollege und ich am Tag zuvor noch versucht, mit einem Agenten ins Gespräch zu kommen, gab es nun die Möglichkeit, einem Agenten 45 Minuten lang zu lauschen und ihn mit Fragen zu löchern. Zwar war er ein Sachbuch-Agent, doch scheute er nicht, unsere Fragen so gut er konnte zu beantworten.
Zum einen machte er uns erst einmal klar, welche Aufgaben eine Agentur übernimmt. Auch bei uns hatte sich der Gedanke festgesetzt: Ein Agent bringt mein Manuskript zu einem Verlag. Im weitesten Sinne ist dies auch korrekt. Doch hier wird sich vor allem sehr intensiv mit dem eingereichten Manuskript beschäftigt. Es kommt einem Lektorat gleich. Gemeinsam mit dem Agenten wird das Skript auf Herz und Nieren geprüft, Logiklücken geschlossen, Perspektiven und Orte gewechselt, kurz: Es wird noch mal ein ganzes Stück Arbeit hineingesteckt, ehe ein Agent es an einen Verlag weiterreicht.
Wie auch bei Einsendungen zu einem Verlag, sollten die Richtlinien beachtet werden. Ist eine Leseprobe verlangt? Oder das ganze Skript? Doch auch, wenn es nur eine Leseprobe ist, sollte das Manuskript schon fertig sein.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Ansprechpartner. Dieser sollte nicht ohne Grund angeschrieben werden – der Grund darf im Anschreiben auch gerne genannt werden. Dadurch zeigt sich, dass sich der Anfragende mit der Agentur auseinandergesetzt und sich Gedanken gemacht hat.
Ebenso sollte man nach einigen Absagen von Verlagen nicht bei einer Agentur angekrochen kommen, genauso wenig sollten mehrere Agenten gleichzeitig angeschrieben werden. Sein Manuskript an eine Agentur zu geben ist eine wichtige und große Entscheidung. Hierfür sollte man sich Zeit nehmen und genau darüber nachdenken, was man für sein Projekt möchte. Erst dann sollte gezielt nach einem Agenten gesucht werden.

Runde5: Tisch 3 – Social Media Marketing für Autoren
Diese Runde war für mich die letzte, da ich die Autorenrunde schon früher verlassen musste. Dem Vortrag von Anike Dircks konnte ich daher nicht bis zum Ende lauschen. Dennoch war bereits der Einstieg sehr interessant. Dabei ging es zwar hauptsächlich um Facebook, die Tipps lassen sich aber auch auf andere Netzwerke übertragen. Der Einstieg in das Thema begann mit einer Diskussion über Postings, die sie uns ausgedruckt hatte. In Teams sollten wir uns darüber Gedanken machen, was diese Postings aussagen und wie sie auf uns wirken. Eine spannende Diskussion war das Ergebnis.
Auch eine Social Media Übersicht wurde uns als Handout gereicht. Welchen Kanal möchte man nutzen? Was möchte man damit erreichen und in welchem Format? All diese Fragen und noch mehr sollten wir mit Hilfe des Handouts für uns selbst beantworten.
Über das Handout war ich sehr froh. So konnte ich mich im Nachgang noch damit beschäftigen, obwohl ich den Vortrag schon nach kurzer Zeit verlassen musste.

Damit war die Autorenrunde auch schon wieder vorbei.
Die Tische, an denen ich saß, waren mal mehr, mal weniger interessant und hatten mal mehr, mal weniger motivierte Referenten.
Dennoch glaube ich, dass ich die Runde nächstes Jahr wieder besuchen werde.

Habt ihr auch schon mal an der Autorenrunde teilgenommen?
Vielleicht sogar dieses Jahr? Lasst mich gerne an euren Erfahrungen teilhaben 🙂

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4 Gedanken zu „Extra: Autorenrunde – Leipziger Buchmesse“

  1. Hallo Jana,
    Deine Messe-Nachlese gefällt mir. Ich war zum ersten Mal in Leipzig und hatte mich akribisch vorbereitet. Dann kam alles anders, denn die Tische waren zu voll und irgendwann die Luft so schlecht, dass der Kopf nicht mehr mitkam.
    An Tisch 4 mit Daniel Graf gab es sehr wertvolle Infos, und nur deswegen harrte ich in der zweiten Reihe aus. Die Fragen aus der Runde waren akustisch leider nicht zu verstehen.
    Gut gefallen hat mir Tisch 9 – Was macht eine gute Lesung aus? Nina Maleika wusste, wovon sie sprach, und die Teilnehmer werteten die Runde mit ihren Erfahrungen auf. Der Raum 6/7 oben war optimal.
    Bei the way: Im nachhinein betrachtet drückte der große dunkle Raum mit seinem Geräuschpegel insgesamt auf meine Stimmung. Ich beendete den Besuch früher als vorgesehen und ging danach nicht gerade motiviert auf den Messerundgang. Ging es jemandem ähnlich?

    1. Hallo Helga,
      vielen lieben Dank für das Lob und deinen kurzen Bericht. Ich finde es immer spannend, wie andere Menschen die Messe (oder die Autorenrunde) wahrnehmen.
      Ich gebe dir Recht, dass an Tisch 4 einige Fragen wirklich nur schwer zu verstehen waren. Das scheint mir jedoch ein allgemeines Problem, da die Teilnehmer nicht immer daran denken laut zu sprechen, oder dies auch gar nicht gewohnt sind.
      Ansonsten hätte ich den Tisch zu einer guten Lesung auch gerne besucht. Leider war ich noch immer gesundheitlich leicht angeschlagen, was man auch an meiner Stimme hören konnte.
      Falls du mir genaueres zu Tisch 9 erzählen kannst, würde ich mich da sehr freuen! 😀
      Ansonsten hatte ich im weiteren Verlauf einen ähnlichen Eindruck. Vor allem, was die Lautstärke betrifft. Dennoch glaube ich, dass dies hauptsächlich dem regen Austausch geschuldet war, und darüber können wir uns eigentlich freuen 🙂

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