LitCamp Bonn 2017

Gestern war es endlich soweit.
Mein erstes BarCamp startete – und zwar in Bonn.

Anreise:
Zu einer sehr unschönen Zeit klingelte mein Wecker. Es war kurz vor 6 und für mich hieß das: Du musst aufstehen.
Natürlich war ich in der Nacht immer mal wieder wach gewesen – hab ich verschlafen? Nein, also Augen wieder zu.

Letztlich war ich dann aber gar nicht so müde, wie ich befürchtet hatte und machte mich auf den Weg zum Bahnhof.
Im Gegensatz zu Leipzig war es nach Bonn ein Katzensprung. Nur 1,5 Stunden. Dafür aber nicht ganz so witzig, verbrachte ich meine Zeit doch zwischen Bier trinkenden Kerlen, die sich über die Gerichtsverhandlung des einen unterhielten. Ja, ich war froh, dass ich nicht lange in diesem Zug saß.
Leider traute ich mich auch nicht, meine Kopfhörer aufzusetzen, hatte ich doch nur die kleine Powerbank dabei…

In Bonn angekommen, holte mich die liebe Babsi von den #BartBroAuthors ab und gemeinsam machten wir uns auf den Weg – und verliefen uns prompt.
Daran war aber nur das Handy schuld! (Dafür kamen wir an hübschen Brautkleidern vorbei 🙂 )
Dabei trafen wir auch schon auf den nächsten Bart Andi, auch bekannt als Xerubian.

Gemeinsam fanden wir unser Ziel, bekamen unsere Badges und warteten dann gespannt auf  den Beginn der Veranstaltung.

Während wir so warteten, kamen irgendwann Kaffee und Brötchen, worüber sich viele der Teilnehmer dankbar her machten.
Auch der letzte Bart, Bianca, fand schließlich zu uns. Damit waren die #BartBroAuthors für diesen Tag vollständig.

Beginn – die Vorstellungsrunde/Session-Planung:
Dann ging es auch schon los. Gespannt nahmen wir unsere Plätze ein. Es gab eine kurze Einleitung und schnell stellte sich heraus, dass viele der Teilnehmer noch nie auf einem BarCamp gewesen sind, uns Bärte eingeschlossen. Die Regeln waren schnell erklärt.
Eine der wichtigsten: Twittere über das BarCamp. Wer nicht twittert, war nicht dabei 😉

Dann ging es über zur Vorstellungsrunde. Diese war leider etwas zu lang… für mein Empfinden eigentlich viel zu lang.
Das lag allerdings daran, dass viele Menschen in ganzen Sätzen antworteten. Vielleicht aus Höflichkeit, vielleicht auch, weil sie gerne reden. Trotzdem hat die Vorstellungsrunde aus diesem Grund länger gedauert als geplant.
Tatsächlich war ich auch sehr überrascht, wer sich bei diesem Camp eingefunden hatte. Der Altersdurchschnitt schien deutlich höher als erwartet, was jedoch nicht störte. Die Leidenschaft zur Literatur kennt schließlich keine (Alters-)Grenzen.

Weiter ging es mit der Planung der Sessions. Da ich noch nie eine solche Veranstaltung besucht hatte, war ich sehr gespannt, wie dieser Teil ablaufen würde.
Die Teilnehmer, die eine Session halten wollten, wurden aufgerufen, sich in eine Schlange zu reihen und ihr Thema auf einen Zettel zu schreiben. Danach mussten sie es auf der Bühne vorstellen und per Handzeichen wurde dann entschieden, ob genügend Teilnehmer für eine Session zusammen kämen.
Ich war erstaunt, wie weit gestreut die Themen waren. Ich selbst hatte auch darüber nachgedacht, eine Session zu halten, mich dann jedoch entschieden, das Camp in Bonn zu nutzen, um mich damit vertraut zu machen, um dann in Heidelberg etwas beitragen zu können. (Darauf freue ich mich übrigens schon riesig!)
Interessant fand ich auch, dass scheinbar jede Session einen Slot fand, auch wenn sich nicht wirklich viele Teilnehmer dafür meldeten.

1. Session – In 9 Schritten zum verrückten/kreativen Buchcover:
Nach abgeschlossener Session-Planung konnten alle nach vorne auf die Bühne kommen und sich für eine erste Session entscheiden. Was – wer hätte es gedacht – zu einem riesigen Chaos führte und einem Knäuel von Menschen.
Wir warteten vergebens darauf, dass jemand den ersten Slot auf Twitter postete. 
Trotzdem fanden Babsi und ich schließlich den Raum mit der Session, für die wir uns entschieden hatten.
Es war bereits angekündigt, dass diese Session eher aktiv werden würde und tatsächlich wusste ich noch nicht, was ich von dieser Session erwartete, aber es war sicher nicht das, was wir am Ende wirklich taten.

Es wurden leere Blätter ausgeteilt und dann ging es auf zu einer Assoziations-Übung.
Aus den Assoziationen zu einem bestimmten Genre wurden später ein Titel, der Name eines Autors und ein Klappentext. Da am Anfang große Verwirrung herrschte, blieb später keine Zeit mehr, um auch noch über Cover zu sprechen. Was ich sehr schade fand.
Die Übung an sich war interessant und auch die Assoziationen der anderen Teilnehmer waren eine Erfahrung. Leider spürte man in dieser ersten Session eine gewisse Distanz der anderen Teilnehmer. Der Raum war groß und man hätte die räumliche Distanz einfach durch Zusammenrücken überbrücken können, was leider ausblieb.
Vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass es noch früh war.

2. Session – Netzwerken im Literaturbetrieb:
Die nächste Session besuchten wir Bärte wieder gemeinsam, denn sie wurde von der unfassbar bekannten Zippi gehalten.
Schon auf der Buchmesse war eine spontane Tischrunde mit ihr und Susanne Kasper vom LitCamp Heidelberg zustande gekommen. Dort hatte ich jedoch keine Zeit zu lauschen und freute mich umso mehr auf ihren Beitrag.

Sie gab uns Einblicke in das Netzwerk von Autorenwelt und predigte immer wieder, wie wichtig es sei, sich selbst einzubringen. Selbst aktiv zu werden.
Und dabei immer freundlich zu sein. Das wäre das wichtigste.
Natürlich stellte sie auch klar, dass es keine pauschale Lösung für das Vernetzen gibt. Doch ein paar Tipps gäbe es dennoch, die Beachtung finden sollten.
– andere Menschen nicht als “like”-Maschine missbrauchen
– sich für andere ehrlich interessieren
– den Mund aufmachen, wenn man etwas gut findet
– nicht zu viel meckern (schließlich hat jeder mal einen schlechten Tag)

Dass die Zippi das Vernetzen voll drauf hat, konnte man daran erkennen, dass sie fast alle Teilnehmer mit Namen ansprechen konnte – wie eine noch unbekannte Teilnehmerin feststellte. Sie war die einzige, die bei ihrem Wortbeitrag ohne Namen aufgerufen wurde.
Jetzt ist sie übrigens nicht mehr unbekannt. An dieser Stelle einen ganz lieben Gruß an Sabine! 🙂

Mittagspause:
Nach nur zwei Sessions ging es schon zu einem wirklich leckeren Mittagessen.

Die Suppe war vegan. Dazu gab es Bretzeln und zum Nachtisch leckeren Kuchen und Muffins. Es war also für jeden etwas dabei.
Außer für absolute Fleisch-Fans, denn das suchte man vergebens. Mich persönlich störte das nicht, denn die Suppe war wirklich super!
Dennoch gibt es hier einen Kritik-Punkt, den ich nicht unerwähnt lassen möchte.
Wir waren eine ganze Menge Teilnehmer und dennoch gab es kaum Möglichkeiten, seinen Teller abzustellen. Essen und Trinken gleichzeitig war somit fast unmöglich.
Hier sollte man sich vielleicht für die Zukunft eine andere Lösung einfallen lassen.

3. Session – “Lies doch mal vor”:
Tatsächlich war ich schon mehr als gespannt, hatte ich doch auch bei diesem Thema auf der Autorenrunde passen müssen.
Zunächst lernten wir etwas über die Betonung eines Satzes. Die Betonung kann dabei auf jedem Wort liegen. Das betonte Wort wird dann zum Träger der Message.
Hier noch einige wichtige Vorlesekriterien:
– Stimmlage
– Subtext
– Artikulation (z.B. auch Dialekt)
– Lautstärke
– Pausen
– Tempo

Natürlich sind das noch längst nicht alle.
Weiter wurde uns erklärt, wie wichtig es ist, darauf zu achten, ob uns etwas anstrengt. Welche Muskeln dabei benötigt werden.
Die aufgebrachte Kraft sollte nicht zu hoch sein.
Ein weiterer Tipp: Den Text zum Vorlesen in größerer Schrift und mit breiterem Zeilenabstand ausdrucken. Beim Üben dann Pausen und Betonung markieren (hier muss jeder seine eigenen Symbole und Zeichen finden), sonst muss der Satz beim Vorlesen selbst noch einmal neu erarbeitet werden.
Alles andere ist Übungssache.
A propos Übung. Die haben wir in dieser Session auch gemacht. Wichtig war dabei eine bestimmte Stimmung und Emotionen, sowie Subtext zu transportieren.
Es kann ganz schön aufregend sein, dass ein Meerschweinchen Paprika mag – glaubt mir.
In dieser Session lernte ich übrigens Axel von der Improgruppe der Taubenhaucher kennen. Wir unterhielten uns ein wenig übers Spielen und tauschten uns aus.
Ich fand es wirklich toll, einen anderen Impro-Spieler auf einem LitCamp kennen zu lernen!

4. Session – Chancen für Autoren bei der Veröffentlichung:
Diese Session drehte sich um Be, ein Label von Bastei Lübbe für digitale Geschichten.
Ich fand es keine schlechte Idee, mich einmal darüber zu informieren.
Denn Be funktioniert wie ein richtiger Verlag. Lektorat und Cover werden auch hier übernommen. Es besteht im im weiteren Verlauf sogar die Möglichkeit, ein Print daraus zu machen. Hier wird aber selbst eingestanden, die Erfahrungen sind noch nicht sehr groß. Es wird noch viel experimentiert.
Vorteile wie das frühzeitige Aufgreifen von Trends oder das schnellere Publizieren sind hier sicherlich ansprechend.
Dennoch habe ich für mich beschlossen, das ist wohl leider eher nichts für mich.
Nicht nur, weil ich nicht wirklich ins Verlagsprogramm passe, sondern auch, weil ich glaube, dass diese Variante zu schnelllebig für mich ist.
Dennoch war es ein interessanter Vortrag und ich bin froh, dass ich mich für diese Session entschieden habe.

5. Session – Bloggen für Autoren (und ein bisschen Impro):
Dann war es leider schon soweit. Die letzte Session stand bevor und es war eine echt schwierige Entscheidung für mich, schließlich bot Axel nun eine Übung zu Impro-Theater an.
Dennoch entschied ich mich fürs Bloggen, schließlich war ich immer noch auf einem Literatur BarCamp.

Hier gab es zunächst ein paar Grundlagen: Ein Blog bietet Unabhängigkeit, schließlich ist es dein Blog. Er gibt Raum für eigene Themen und fördert den Dialog mit anderen (sofern die Kommentar-Funktion aktiviert ist) Zudem gilt – Dein Blog, deine Regeln.

Was genau ist denn aber nun ein Blog? Im weitesten Sinne ein Online-Tagebuch, aber vor allem eine dynamische Website, die eine Vernetzung und Verschlagwortung ermöglicht.
Bevor man einen Blog startet, sollte man sich jedoch einige Fragen stellen:
Wen spreche ich an?
Was bin ich bereit, Preis zu geben?
Wie möchte ich das zeigen, was ich zu sagen habe?

Dabei sollte unterschieden werden zwischen persönlich und privat. Und immer den Nutzen für die potenziellen Leser vor Augen haben.
Einmal die Woche sollte man einen Artikel posten. Zweimal die Woche ist schon richtig super!
Als letzten Tipp wurde schließlich noch Geduld und Gelassenheit genannt. Es ist nicht so, als hätte die Welt nur auf dich gewartet. Vielmehr muss dein Blog erst einmal beweisen, dass er es wert ist, gelesen zu werden.

Wir waren dann schon ein wenig früher fertig und es kamen Fragen aus dem Plenum. Sicherlich war da noch das eine oder andere Interessante dabei, doch ich wusste, im Raum nebenan geht es gerade um Improvisationstheater.
Also schlich ich mich raus und verbrachte die letzten 15 Minuten dort… 😉

Abschied:
Und dann versammelten wir uns wieder alle. Zumindest die, die sich noch nicht auf den Heimweg gemacht hatten.
Eine kurze Einlage der Taubenhaucher. Zwei Gewinnspiele und dann das Feedback.
Ich gestehe, das Feedback haben wir ausgelassen um noch etwas zu essen, ehe mein Zug kam…

Unfassbar schnell war alles wieder vorbei und ich fühle mich ein bisschen wie nach der Messe in Leipzig.

Neue Menschen, altbekannte Menschen, wunderbare Vorträge und Übungen. Ich vermisse das schon jetzt, auch wenn es nur einen Tag ging.
Wie soll das erst in Heidelberg werden?

 

 

 

 

 

Fazit:
Leider hat sich nach der ersten Session nicht viel geändert. Ich hatte das Gefühl, einige der Teilnehmer wollten sich nicht vernetzen. Oder zumindest nicht mit uns. Auch wenn wir die Gespräche suchten, wurden diese nicht aufgenommen, oder schon nach kurzer Zeit wieder beendet. Ich weiß leider nicht genau, woran es lag, doch letztlich blieb ich bei den Menschen, die sich mit mir unterhielten und austauschen wollten.
Alles in allem fand ich das Camp dennoch wirklich toll. Es hat sich aus meiner Sicht gelohnt und ich würde mich freuen, wenn es nächstes Jahr wieder stattfindet.
Wieder mit Teilnehmern, die lebendige Sessions leiten und von denen man unglaublich viel mitnehmen kann.
Vielleicht dann aber mit ein bisschen mehr Stellfläche für Gläser und Teller. 🙂

9 Gedanken zu „LitCamp Bonn 2017“

  1. Wie schade, dass Menschen sich nicht unterhalten wollten. Leider sind wir uns nicht begegnet bzw. nur flüchtig, hab dich beim Impro gesehen 😉

    Dafür konnte ich jetzt bei dir nachlesen, was in den Sessions los war, die ich verpasst habe! Danke dafür 🙂

    Vielleicht im nächsten Jahr 😉

    Liebe Grüße
    Stephanie

  2. Danke für deinen sehr interessanten Einblick! Klingt so, als hätte ich was verpasst, aber man kann halt immer nur an einem Ort gleichzeitig sein.

    Na ja, irgendwann dann halt.

  3. Hallo Jana!
    Toller Bericht! Das gibt mir viele Eindrücke und hilft bei der Entscheidungsfindung, ob ich selbst mal an so einem Camp teilnehmen sollte.
    Das alles klingt etwas improvisiert und zusammenklamüsert; die Informationen, die in den Sessions rüberkamen, schienen eher als Grundlage zum Netzwerken gedacht zu sein. Als wäre das etwas, was wir schon kennen und wissen, aber wobei es toll ist, sich mit anderen zusammenzufinden, die in die Branche einsteigen und Leute kennenlernen möchten.
    Jetzt weiß ich mehr als vorher, bin aber leider noch immer gleich unentschlossen. Sobald beim nächsten Camp mehr als ein Bart anwesend ist, bin ich wohl testweise mit dabei!
    Liebe Grüße
    Kia

  4. Liebe Jana, danke für die schöne Zusammenfassung. Ich hätte mich total gerne noch mit Euch unterhalten und vernetzt. Ich glaube die vielen Eindrücke machen da blind…ein wenig Hemmungen auf Leute zu zu gehen vielleicht auch, vor allem wenn Leute in Gruppen unterwegs sind 🙂 Manchmal ergeben sich Unterhaltungen und manchmal nicht. Am schönsten ist es doch, wenn man es nicht erwartet und es natürlich kommt. Eine simple Korrektur des Stuhlkreises hätte sicher geholfen…das werde ich mir für’s nächste Mal merken 😉

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