Messe(blues)

Heute vor einer Woche, neigte sich die Messe langsam ihrem Ende.
Heute vor einer Woche, erwachte ich ein letztes Mal in dem Bett einer Freundin in Leipzig und machte mich auf den Weg zum Messegelände.
Heute vor einer Woche, begann der Messeblues.

Aber von Anfang:

Leider hat mein Plan, das Manuskript bis zur Buchmesse fertig zu stellen, nicht funktioniert.
Ich möchte hier aber keinesfalls jammern, denn ich habe immerhin 40.000 Wörter im März geschrieben und das ist eine nicht zu verachtende Zahl.
Vor allem, wenn man bedenkt, dass mein Tagesziel beim WriYoBo bei ca. 330 Wörtern am Tag liegt.

Stattdessen möchte ich euch von meinen Erfahrungen auf der Messe berichten.

Tag der Ankunft:
 12:43Uhr, endlich! Ich saß im Zug. Zum Glück musste ich gar nicht groß umsteigen, denn der ICE brachte mich direkt nach Leipzig.
Im Zug selbst war schnell klar, fast alle wollen zur Messe. Unter anderem drei wirklich lustige Damen neben mir. Die erste Zeit kam ich kaum zu etwas anderem, als leise vor mich hin zu kichern.
Nur kurze Zeit und zwei Bahnhöfe später war der Zug mehr als voll.
Trotzdem kam ich nicht dazu, zu arbeiten. Stattdessen twitterte ich fleißig vor mich hin und freute mich wie ein kleines Kind.

So kam es, dass ich auf eine Bloggerin aufmerksam wurde, die im selben ICE saß. Es dauerte nicht lange, da hatten wir uns gefunden und waren beide vollkommen perplex. So etwas klappte doch sonst nie!
Den Rest der Zugfahrt hatte ich also eine nette Unterhaltung 🙂
In Leipzig angekommen, ging es direkt zur Unterkunft. (So direkt wie möglich, nachdem wir eine ganze Weile durch den Bahnhof geirrt waren)

Eine kurze Pause um Luft zu holen und weiter zur ersten Lesung von #BartBroAuthors Kollegin Andrea Schrader.


Ihre erste Lesung aus ihrem Debüt-Roman “Spür den Regen”. Natürlich war ich nicht der einzige Bart vor Ort. Und so ließen wir den Abend gemeinsam im Schein der Kerzen ausklingen.

Messe-Tipp Nr. 1:
Sitzplatz im Zug reservieren.

 

1. Messe-Tag:
Der Plan: früh aufstehen, um möglichst früh bei der Messe zu sein.
Die Ausführung: die ganze Nacht nicht geschlafen (da noch immer leicht erkältet) und morgens keine Ahnung gehabt, wo ich frühstücken kann.
Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich entschieden hatte, angezogen war, die richtige Bahn-Haltestelle gefunden hatte… und dann bin ich auch noch in die falsche Richtung gefahren… Dafür war das Frühstück letzten Endes der absolute Wahnsinn!

Danach ging es mit der Tram auf zur Messe. Zufälligerweise waren die Bärte vom Abend zuvor in der selben Tram und so setzten wir unseren Weg gemeinsam fort.
Die Messe selbst überwältigte mich erst einmal. Es gab so viel zu sehen und überall redete man über Bücher. Unmöglich, das alles aufnehmen zu können. Und so ließ ich mich erst einmal treiben.  Zum Glück hatten wir einen Stand, den wir als Verein nutzen konnten. Er war der Anlaufpunkt für die #BartBroAuthors und wurde damit erst einmal zur Twitter-Zentrale.
Viele Menschen, die ich vorher nur aus dem Internet kannte, bekamen endlich ein Gesicht und eine Stimme. Es war einfach toll!
Schneller als gedacht (ich war gerade einmal durch Halle 5 und 2 geschlendert – auf der Suche nach der Fantasy), war der Tag auch schon wieder vorbei.
Traurig habe ich an diesem ersten Tag festgestellt, dass die Fantasy nur einen kleinen Teil der Messe ausmachte. In Halle 2 mit einer Fantasy-Leseinsel angesiedelt, waren es doch eher die Kinder- und Lehrbücher die überwogen und den kleinen Bereich der Fantasy umringten.
Zusätzlich habe ich mich nicht getraut, mit den Verlagen zu sprechen, oder auch nur eine Veranstaltung zu besuchen, die ich mir aus dem Programm zuvor notiert hatte. Aber man muss ja auch nicht gleich alles überstürzen.
Abends waren die Bärte dann on Tour, ein feucht fröhlicher Abend und verdammt gutes Tiramisu!

Messe-Tipp Nr. 2:
Wenn kein Frühstück gebucht oder bei Freunden vor Ort – vorher informieren, was es in der Nähe gibt.

Messe-Tipp Nr. 3:
Lass es langsam angehen, wenn du alle Messe-Tage vor Ort bist. Du wirst die Energie noch brauchen.

 

2. Messe-Tag:
Eigentlich wollte ich so gegen 11 Uhr an der Messe sein.
Um 12 Uhr war ich dann wirklich da.
Auch an diesem Tag war unser Treffpunkt Messe-Stand wieder gut gefüllt. Neue Bärte waren eingetroffen und es gab ein fröhliches Miteinander.
Tatsächlich schaffte ich es, einige der Programmpunkte wahrzunehmen. Und gemeinsam mit einem bärtigen Kollegen beschlossen wir, zum Stand eines Agenten zu gehen. Denn wann hat man schon einmal die Möglichkeit, mit einem zu sprechen? Eine Chance die wir nicht ungenutzt lassen wollten.

Leider sagte uns der Agent recht direkt, dass er keine Zeit habe. Von 12 – 13:30 sei am Samstag und Sonntag noch einmal Sprechstunde. Doch damit wollten wir uns nicht zufrieden geben. Wir klapperten die wenigen Agenten, die sich auf die Messe getraut hatten, ab. Mit eher mäßigem Erfolg. Also doch die Sprechstunde am Sonntag, denn Samstag war Autorenrunde.
Und auch dieser Tag war schneller vorbei, als gedacht. Für diesen Abend war ein offizielles bärtiges Treffen im Pub angesagt.

Messe-Tipp Nr. 4:
Zu Zweit ist man weniger allein – und mutiger!

 

3. Messe-Tag:
Diesmal hieß es wirklich früh aufstehen, denn es war Samstag – Tag der Autorenrunde.
Ich habe beschlossen, diesen Teil in einen separaten Artikel zu packen, für all jene, die das ganze Drumherum nicht wirklich interessiert.


Dennoch kann ich es nur empfehlen, das Geld und diesen einen Messe-Tag zu investieren! Es lohnt sich natürlich nicht jedes Gespräch, aber ich konnte einiges mitnehmen 🙂
Nach der Autorenrunde hatten die #BartBroAuthors übrigens noch ein Meet&Greet. Dort konnte man uns mit Fragen löchern und viele von uns haben verraten, warum und wie sie bei den Bärten gelandet sind. Ein interessantes Erlebnis!

Messe-Tipp Nr. 5:
Am Wochenende mehr Zeit zur Anreise einplanen. Menschen bleiben in den Türen stehen, sodass diese sich nicht schließen und das Transportmittel eurer Wahl nicht weiter fahren kann.

Messe-Tipp Nr. 6 (optional):
Schaut euch die Autorenrunde einmal an. Es geht dabei nicht nur um die Tisch-Runden, sondern auch darum, Menschen kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen.

 

4. Messe-Tag:
Ein letztes Mal machten wir uns auf den Weg in die heiligen Hallen der Messe.
Der Tag verlief dennoch eher schleppend. Zwar waren es nicht mehr so viele Menschen, wie noch am Tag zuvor und doch wusste man nicht mehr so recht, wohin mit sich. Sicherlich gab es noch die eine oder andere Veranstaltung, die interessant gewesen wäre… aber es war eben der letzte Tag. Das konnte man spüren.
Nicht zuletzt auch, da einige der lieb gewonnen Menschen sich bereits auf den Heimweg gemacht hatten. Traf man zufällig jemanden auf der Messe, war nicht klar, ob man sich vor dem nach Hause fahren noch einmal wieder sehen würde. Der Abschied war dann also nicht länger ein fröhliches “Bis morgen.”, sondern eher ein “Kommst du zum LitCamp? Nein. Also eher Frankfurt?” Eine mehr als eigenartige Stimmung.
Dennoch habe ich es geschafft, mich an diesem Tag an einige Verlage zu wenden. Es war vielleicht nicht die beste Entscheidung, dies am letzten Messe-Tag zu tun, aber das mit dem Mut war da so eine Sache. Wenn man erst einmal dort ist und von diesen vielen Eindrücken und tollen Menschen förmlich erschlagen wird, dann schwindet der so genannte Mut recht schnell.
Umso mehr bin ich stolz auf mich, dass ich mich am letzten Tag noch getraut habe.

Und es war sogar recht leicht. Einfach hinstellen, für die Bücher interessieren, nach den Verlagsprogramm fragen, vielleicht auch nach einer Empfehlung und schon ist man im Gespräch. So findet man dann auch heraus, ob das eigene Werk ins Programm passt (falls man dies vorher noch nicht recherchiert hat, weil man den Verlag zum Beispiel noch nicht kannte) Erst wenn man wirklich sicher ist, sollte man anfragen, ob noch Manuskripte angenommen werden.
Zwei Verlage haben mich dazu ermutigt, das Skript einzuschicken, was ich auch tun werde, sobald es fertig ist.
Dann ging es aber auch schon wieder zurück in die Unterkunft und mit den Koffern ab zum Bahnhof.

Seitdem habe ich nicht viel zu Stande gebracht. Weder für meinen Blog, noch groß für mein Projekt. Gerade mal 3.000 Wörter habe ich in den letzten 7 Tagen geschrieben. Es hat eine Weile gedauert, bis ich all die Eindrücke verarbeitet habe und vor allem, bis ich den Schlaf nachgeholt hatte. Aber das ist nunmal der Messeblues. So leicht entkommt man ihm nicht.

Messe-Tipp Nr. 7:
Bereite dich seelisch darauf vor, die Menschen, mit denen du die letzten Tage verbracht hast, wieder verlassen zu müssen.

Messe-Tipp Nr. 8:
Schäme dich nicht für deinen Messeblues. Er zeigt dir nur, wie wundervoll die Tage waren, die du auf der Messe verbracht hast.

3 Gedanken zu „Messe(blues)“

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