Das Internet ist leer – Ein Selbstversuch

Schon häufig habe ich davon gelesen: Ohne Internet steigt die Produktivität.
Klingt schon irgendwie plausibel, wenn ich bedenke, wie viel Zeit ich im Netz verbringe. Nicht nur im Social Media Bereich.
Einfach mal schnell einen Film schauen, weil man Lust drauf hat. Oder man liest einen Artikel und kommt dann noch zu fünf weiteren, die einen interessieren.
Schneller als man denkt ist die Zeit verflogen und die Arbeit liegen geblieben.

Die Idee klingt also wirklich vernünftig, oder?

Aber möchte ich wirklich darauf verzichten, mal eben schnell bei Twitter reinzuschauen?
Ich könnte doch etwas verpassen…

Dennoch habe ich den Selbstversuch gewagt. Es war zwar eher etwas unfreiwillig, aber gelernt habe ich auf jeden Fall etwas!
Vor ungefähr einem Monat zog unser Mitbewohner aus und nahm das Internet mit. Als wir unseren eigenen Anschluss anmelden wollten, wurde uns der nächste freie Termin eines Technikers genannt. 09.06.2017. Das war im April.
Voller Verzweiflung – knapp 2 Monate ohne Internet, unvorstellbar! – riefen wir beim Kundenservice an. Dennoch, an dem Termin war nichts zu machen. Wir würden also vorerst ohne Internet auskommen müssen.
Aber was genau macht man dann eigentlich…? Ein gutes Buch raus holen und lesen, oder, wie schon lange geplant, endlich mal aufräumen. Wir waren uns sicher, das würde schon irgendwie gehen! Wir hatten ja schließlich auch noch Internet auf dem Handy. Ganze 2GB.
Doch plötzlich waren 2GB auf einmal gar nicht mehr so viel!
Aber lest selbst:

In der ersten Zeit…
…habe ich tatsächlich die Wohnung umgeräumt. Der Verlust des Internets war schließlich dem Auszug unseres Mitbewohners geschuldet. Es war also ein Zimmer frei und die restlichen galt es irgendwie umzuräumen. Ich saugte, putzte, schob Möbel hin und her. Mein Freund und ich hatten auf einmal sehr viel Zeit zusammen. Nach getaner Arbeit holten wir die N64 oder die GameCube hervor und zockten gemeinsam eine Runde.
Dennoch fehlte irgendwie Musik. Diese läuft bei mir meist übers Internet. Zum Glück haben wir eine Spotify Flat.
Allerdings bin ich sehr speziell, was meine Musik angeht und so konnte mich Spotify letzten Endes nur ansatzweise zufrieden stellen.
Ansonsten fühlte es sich an wie Urlaub.
Es entschleunigt!

Die Abendplanung…
… gestaltete sich irgendwann dann aber doch recht schwierig. Nicht immer hatte man gerade Lust auf die DVDs, die Zuhause vorhanden waren oder auf die Spiele für die jeweiligen Konsolen.
Serien im Internet? Keine Chance. Fernsehen? Hängt auch vom Anschluss ab.
Man hat also endlos Zeit zum Lesen! <3

Doch zwischendrin…
…mal eben schnell etwas googeln ist nicht. Recherche für das eigene Projekt – super schwierig. Oder den Blog am Leben halten, Bilder hochladen…
Programme oder Apps updaten, alles mit nur 2GB, nicht so einfach.
Ich blieb dadurch eine ganze Woche von Bibis Song verschont. Unfassbar, oder?
Stattdessen habe ich begonnen, eine neue Sprache zu lernen, viel geschlafen und ein paar neue Rezepte ausprobiert.

Nach einer ganzen Weile…
… wird es dann aber doch wirklich nervig. Wegen allem muss man das Handy zur Hand nehmen. Social Media Planung ist fast unmöglich und man beginnt, die Ablenkung zu vermissen. Schließlich werden die verbleibenden Internet-Minuten gut eingeteilt. Twitter und andere Kanäle werden vernachlässigt.
Erst später habe ich herausgefunden, dass sie vom Smartphone aus gar nicht so viel Datenvolumen verschlingen.
Dennoch wurde es immer schwieriger, der eigentlichen Arbeit nachzugehen. Vor allem mein Freund als Selbstständiger brauchte das Internet wirklich dringend.
Ich glaube, er hat sich noch nie so über Tage an der Uni gefreut, denn dort gab es WLAN.

Das momentane Projekt…
… stand schon vor dem Verlust des Internets eine ganze Weile still. Dadurch bekam ich ein schlechtes Gewissen, das mich zusätzlich lähmte.
Ich versuchte es immer mal wieder zu durchbrechen, doch ich kam einfach nicht weiter.
Zum Glück konnte ich nun endlich mein Whitebord aufhängen. Darüber werde ich wohl noch einmal gesondert einen Artikel verfassen, denn es hat ihn verdient! 🙂
Das Plotten und das Aufschreiben der Ideen gab mir dann tatsächlich neuen Schwung. Die Möglichkeiten sprudelten nur so aus mir heraus.
Und dann endlich zeigte sich, wofür das fehlende Internet gut war.

Ich beendete innerhalb von 5 Tagen meinen Roman.
An zwei Tagen schrieb ich über 21.000 Wörter. Man konnte meinen Fortschritt zwar auf Twitter verfolgen, das war aber auch schon das einzige, wofür ich meine verbliebenen MB nutzte. Ansonsten konzentrierte ich mich fast ausschließlich auf das Schreiben.
Und ich glaube fast, mit Internet wäre ich nie soweit gekommen.

Mein Fazit:
Nach einer endlos erscheinenden ersten Phase, in der ich irgendwann nicht einmal mehr wusste, was ich tun sollte, wurde reine Produktivität.
Ich gehe davon aus, dass ich schon viel früher angefangen hätte, so viel zu arbeiten, wäre da nicht die Schreibblockade gewesen.
Zeit ohne Internet rentiert sich für Autoren also vor allem dann, wenn sie einen Plan haben. Oder große Plotlöcher.
Dennoch würde ich es nicht noch einmal so lange ohne Internet aushalten wollen. Für vieles ist es einfach nützlich.

Gelernt habe ich dadurch aber auch, in wie vielen Bereichen die Prokrastination auf mich lauert.
Aus genau diesem Grund würde ich jedem eine Zeit ohne Internet empfehlen.

Hattet ihr schon mal eine Weile kein Internet?
Oder habt ihr euch schon einmal vorgestellt, wie es ohne Internet wäre?
Vielleicht habt ihr auch schon mal einen Selbstversuch unternommen?
Dann erzählt doch gerne mal davon! 😀

 

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