Spannung – und was sie mit dir macht

Spannung ist ein wichtiges Thema, sobald es darum geht, eine Geschichte zu schreiben.
Sucht man im Internet danach, findet man zahlreiche Tipps, um schnell Spannung erzeugen zu können, wie der Schreibstil spannender wird und vor allem, wie wichtig sie ist.
Ihr ahnt es bereits: sie ist ein relevanter Bestandteil im Leben eines Autors.

Ein Grund, um den Begriff einmal näher zu betrachten. Was bedeutet Spannung?

Der Duden erklärt hier unter anderem:

    1. auf etwas Zukünftiges gerichtete erregte Erwartung, gespannte Neugier

Aber auch:

    1. (selten) das Spannen, Straffziehen
    2. das Gespannt-, Straffsein

Es geht also zum einen um ein bestimmtes Empfinden und zum anderen um eine Kraft, die wirkt.

Das Empfinden selbst ist für jeden Autoren natürlich ungemein wichtig.
Man möchte beim Leser diese „erregte Erwartung“ und die „gespannte Neugier“ wecken.
Aber auch Autoren selbst können und wollen diese Momente erleben. Eine spontane Wendung, die Aufregung vor den letzten Szenen oder dem Endkampf.
Selbst Plotbunnys können hinzugezählt werden. Schließlich hüpfen sie einfach so vorbei und es ist nie gewiss, ob man ihnen letztlich nachgibt, oder lieber doch nicht.
Spannung ist also nicht nur dem Leser vorbehalten.

Dennoch war es nicht diese Art der Definition, die mich dazu veranlasst hat, einen Artikel zu schreiben.
Vielmehr war es „das Spannen“ und „das Gespanntsein“.
Doch warum?

Häufig sehen sich Autoren mehr oder weniger zutreffenden Vorurteilen gegenüber.
Eines davon: Du sitzt doch den ganzen Tag nur rum und schreibst. Was ist daran bitte anstrengend?

Sicherlich das Planen einer Geschichte und das Ausmerzen logischer Fehler. Oder das Suchen nach den richtigen Worten.
All das stimmt natürlich, aber wer denkt denn dabei gleich an Spannung?
Dabei ist diese mindestens genauso anstrengend, wie die oben genannten Beispiele.

Hierfür möchte ich nun kurz einen Exkurs in den Bereich des Theaters nutzen.
Ich selbst stehe immer mal wieder auf der Bühne. Vor kleinem und großen Publikum.
Dabei komme ich auch mit Menschen in Kontakt, die noch nie vor Zuschauern aufgetreten sind. Dann wird mir von Nervosität berichtet. Aber auch von AnSpannung.

Natürlich ist das vollkommen normal. 
Und – jetzt kommt der wichtige Punkt! – es ist notwendig.
Ich selbst bin vor Auftritten meist ruhig. Sobald ich aber die Bühne betrete, ist mein gesamter Körper gespannt.

Körperspannung lautet das Zauberwort, um auf der Bühne präsent und ausdrucksstark zu sein.

Warum aber könnte dieser Aspekt für Autoren ebenso wichtig sein, wie für Schauspieler oder Tänzer?

Weil sie das selbe Ziel verfolgen. Autoren möchten ebenso wie Darsteller eine Geschichte aufbauen, die gerne gelesen/gesehen wird.
Lediglich die Art und Weise der Ausübung ist eine andere.
Aber auch wenn Autoren nicht ihren gesamten Körper einsetzen, um etwas darzustellen, so sind sie doch meist mit „Leib und Seele“ dabei.
Das Schreiben einer Geschichte ist anstrengend. Nicht nur, weil es bis zur fertigen Geschichte viele Gedanken braucht.
Sondern auch, weil der Körper während des Schreibens gespannt ist. Natürlich in spannenden Szenen mehr als in anderen.

Doch wenn Autoren nach Möglichkeiten suchen, wie sie ihr Buch oder ihren Schreibstil spannender machen können, dann sollten sie sich auch darauf einstellen, dass ihr Körper ebenfalls gespannt werden könnte.

Wie seht ihr das?
Habt ihr selbst schon einmal körperliche Erfahrungen beim Schreiben gemacht?
Erzählt mir gerne von euren Erlebnissen.

 

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2 Gedanken zu „Spannung – und was sie mit dir macht“

  1. Hallo Jana!
    ich habe deinen Artikel sehr gerne gelesen und fand ihn sehr bereichernd.
    Eins vorweg: dass du mit deinem grandiosen Ausdruck öfter auf der Bühne stehst, erklärt mir einiges (siehe LBM im Zug von der Messe zurück 😉 )
    Dass Spannung, egal, welcher Definition, eine Kraft ist, hat mir ein bisschen die Augen geöffnet. Als Entwicklungsromanautorin arbeite ich viel zu wenig mit Spannung und finde meine eigenen Manuskripte nach etwas mehr als einem halben Jahr eher fad; ich würde glatt behaupten, Spannung sei meine größte Schwäche.
    Immer, wenn ich etwas lese und plötzlich etwas Unerwartetes passiert, empfinde ich zwei Reaktionen:
    1. Ich will den Autor schlagen / ansprechen / wtfkn
    2. Ich will weiterlesen
    Und den zweiten Punkt empfindet wohl jeder Leser so. Ob Autor oder nicht, ob Wissen um Plotbunnys oder nicht.
    Ich muss gestehen, dass ich beim Schreiben nie Erlebnisse mit Körperspannung erlebt habe. Das geschieht eher, wenn ich das Geschriebene lese und die Spannung aus der nichtschreibenden Perspektive erlebe. Erst, wenn ich lesen will, was ich geschrieben habe, hat es seine Daseinsberechtigung. Als Autoren sind wir der Herausforderung gegenübergestellt, die gesamte Spannung des Werkes sowie die Spannung einzelner Handlungsstränge und Szenen in Augenschein zu nehmen, und das ist so schwierig, dass es die Spannung beim Schreiben wegnimmt. Jedenfalls bei mir. Ich habe das Gefühl, dass ich beim Schreiben alles denken muss. Das führt unter anderem dazu, dass mein Gehirn mich kaum in Ruhe lässt und ich dieses romantische Autorenleben führe, in dem man die ganze Zeit in seinem Manuskript lebt und sich in jeder erdenklichen Situation des Alltags fragt: „Was würde mein Protagonist tun?“
    Aber wir Autoren sollten anfangen, uns in alltäglichen Situationen, nur so zur Übung, zu fragen: „Was könnte jetz unvorhergesehen passieren?“ – denn das erweitert unseren Geist. Ich bin von deinem Artikel inspiriert und motiviert, für mehr Spannung zu sorgen. Im Großen und auch im Ganzen.
    Liebe Grüße
    Kia

  2. Hej Jana,

    tatsächlich kann es bei mir vorkommen, dass ich beim Schreiben eine körperliche Reaktion zeige. Und zwar dann, wenn ich dahin gehe, „wo es weh tut“. Ich denke, jeder von uns kennt solche Trigger, auf die er selbst anspringt, die aber genau deswegen in einer Geschichte auch hervorragend funktionieren, weil wir uns die damit verknüpften Emotionen zunutze machen, sie besser und eindringlicher beschreiben können.

    In meinem Roman „Der Beobachter und der Turm“ schreibe ich von einem Mann, der in seiner Ehe totunglücklich ist und der sich von seiner Frau total unverstanden fühlt. Um diese Szenen zu schreiben, habe ich versucht, mir vorzustellen, wie es wäre, wenn meine Frau (beim Schreiben der Erstversion noch Freundin) so mit mir umspringen würde. Und die ganzen unguten Gefühle, die ich dabei gesammelt habe, habe ich in den Roman gepackt. Bis es körperlich weh tat.

    Im kleineren Umfang passiert das auch bei anderen Geschichten, aber hier war es extrem.

    Liebe Grüße
    Michael

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